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2. Podiumsdiskussion

Schüler löchern Experten

Hull-Foundation und Bohnenkamp-Stiftung bringen Jugendliche mit Fachleuten zusammen

Keine Scheu vor den Experten hatte die Syrerin Dina und erzählte ihre Geschichte. Um die Erlebnisse von geflüchteten Kindern und um Fragen ihrer Mitschüler ging es nun bei einer Diskussionsrunde in der Thomas-Morus-Schule. Die Veranstaltung ist Teil eines Schulprojekts der Patsy-und Michael-Hull Foundation e.V. zum Thema Flucht und Vertreibung, unterstützt von der Bohnenkamp-Stiftung.

Die Schüler der Thomas-Morus-, Dom und Angelaschule sowie der IGS Eversburg hatten viele Fragen. Diesen stellten sich die CDU-Landtagsabgeordnete Anette Meyer zu Strohen, Sylvia Horsch-al Saad vom Institut für Islamische Theologie an der Uni Osnabrück, Sebastian Häfker, Polizist und Initiator des Projekts „Faires Kämpfen“, sowie der Generalvikar des Bistums Osnabrück, Theo Paul. Felix Trentmann, Lehrer an der gastgebenden Schule, moderierte die Veranstaltung.

Einen persönlichen Einstieg ins Thema lieferte die Thomas-Morus-Schülerin Dina. Die 15-Jährige erzählte, wie ihre Familie aus Aleppo geflüchtet war. Warum dort überhaupt Krieg herrsche, wollte ein Schüler aus dem Publikum daraufhin wissen. „Viele Ursachen“ gibt es laut Meyer zu Strohen für Kriege, beispielsweise Machtgier oder den Glauben. Das veranlasste den Generalvikar zu einer Einschränkung: „Religion ist nicht die Hauptursache, sondern wird instrumentalisiert.“

Die Schüler hakten nach und fragten nach Lösungen für Konflikte. Meyer zu Strohen setzt auf Diplomatie, erwog aber auch Abrüstung. Daraufhin rief Paul zur Selbstkritik auf, da Waffenlieferungen aus westlichen Ländern den Krieg verursacht und aufrechterhalten hätten. Häfker übertrug den Einfluss von Kommunikation auf den Alltag. Mit seinem Projekt „Faires Kämpfen“, bei dem deutsche und geflüchtete Jugendliche zusammen Judo lernen, will er Kontakt herstellen „zwischen Menschen, die sonst vielleicht nichts miteinander zu tun hätten“.
Dass einige EU-Länder sich weigerten, mehr Flüchtlinge einreisen zu lassen, war ebenfalls Thema. Paul schlug vor, die finanziellen Hilfen für Mitgliedstaaten an deren Aufnahmebereitschaft zu koppeln. Zuvor betonte Meyer zu Strohen, dass die EU eigentlich gegründet worden sei, um Probleme gemeinsam zu lösen.

Zwischendurch berichtete der aus Damaskus geflüchtete Bashar, dass vieles in Deutschland neu für ihn sei: zum Beispiel die Sprache oder der gemeinsame Sportunterricht von Mädchen und Jungen. Diese Eindrücke warfen bei einem Schüler die Frage auf, inwiefern Flüchtlinge ihre Kultur weiter ausleben sollen. Häfker nannte das Grundgesetz als Maßstab. „Integration heißt nicht, dass andere genau wie wir werden müssen“, ergänzte Horsch-al Saad. Die Gesellschaft werde sich verändern, und das sei nichts Negatives. Auch Dina fällt es noch schwer, sich einzugewöhnen. Allerdings spricht sie bereits so gut Deutsch, dass sie Noten in der Schule bekommt, obwohl das bei Flüchtlingen eigentlich zunächst nicht der Fall ist. Sie hatte auch eine Frage: „Warum gibt es keinen islamischen Religionsunterricht?“ Übereinstimmend nannten die Podiumsteilnehmer den Lehrermangel als Grund. „Es sollen nämlich ausgebildete Pädagogen und keine Quereinsteiger sein“, erklärte Meyer zu Strohen. Horsch al-Saad berichtete, dass die Universität Osnabrück seit 2012 islamische Religionslehrer ausbilde. Bald würden die ersten Absolventen eingesetzt.

Zum Abschluss wurde noch ein aktuelles Problem angesprochen: Wie soll man mit Flüchtlingsgegnern umgehen? Indem man den Dialog suche, waren sich die Experten einig. „Viele haben Angst“, sagte Anette Meyer zu Strohen. Diesen Menschen müsse man erklären, dass Geflüchtete ihnen nichts wegnähmen. „Wir sind nicht die erste Generation, die mit Flüchtlingen zu hat“, stellte Theo Paul klar. Aufgrund der regen Diskussion wurde die Zeit schließlich überschritten – doch die Schüler blieben freiwillig gerne länger.

Zum Abschluss des Projekts führen die teilnehmenden Schulen am 31. Mai ein eigenes Theaterstück über die Geschichte von Flucht und Vertreibung auf.

Foto: Michael Gründel/ko •Neue Osnabrücker Zeitung – Stadt Osnabrück10 Mar 2017Von Vincent Buß ko if: hasImage